Sorbische Musik

Die Sorben bzw. Wenden besiedelten etwa seit dem 6. Jh. den gesamten Raum vom Bober bis zur Saale und vom Mittelgebirgsrand bis an den Südrand Berlins. Im Laufe der Zeiten verengte sich jedoch dieses Gebiet zusehends und löste sich zu Beginn unseres Jahrhunderts in zwei Sprachinseln auf. Die nördliche liegt in der Niederlausitz um Cottbus (sorb. Chośebuz), die südliche im Raum Bautzen (Budyšin). Bindeglied zwischen Nieder- und Oberlausitz ist die Region um Schleife (Slepo) in der Nähe von Spremberg (Grodk).
Träger der sorbischen Musikkultur war seit jeher das Volk selbst, dem Tanz und Gesang ein ständiger und treuer Begleiter durch das Leben waren. Die Volksmusikanten, die sich der Musikpflege in besonderem Maße annahmen, konsolidierten sich im 17. Jh. sogar als Berufsstand. Sie traten als "Zünfte sorbischer/wendischer Spielleute" in mehreren Städten und Kreisen der Lausitz (Bautzen, Görlitz, Cottbus, Guben und Luckau) sowie in den Amtsdörfern der Herrschaften Lübben und Neuzauche bis um das Jahr 1800 öffentlich in Erscheinung. Mit ihren altertümlichen, selbstgefertigten Instrumenten, wie Schalmei (tarakawa), Dudelsack (kozoł, měchawa) und sorb. Geige (gusle, fidle) spielten sie zu Tanz und Volksfesten auf und begleiteten Hochzeiten und Kindtaufen.
Traditionelle Pflegestätten der sorbischen Vokalmusik, sowohl des weltlichen als auch des geistlichen Gesanges, waren u.a. die weitverbreiteten Spinnstuben. In diesen fanden sich ledige Mädchen im Alter von 18-28 Jahren unter der Leitung ihrer Kántorka, der Spinnstubenleiterin und Vorsängerin  zusammen, um an den langen Herbst- und Winter-abenden gemeinsam zu singen. Mit der Auflösung der festgefügten bäuerlich-dörflichen Gemeinschaft schwanden vielerorts auch die Spinnstuben. Ihre Rolle bei der sorbischen Gesangspflege wurde etwa seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts zunehmend von neu entstandenen Chören übernommen.
Bereits gegen Ende des 18. Jh. begannen einzelne Personen mit dem Sammeln sorbischen Liedgutes. Die umfangreichste Sammlung von allen stellt das 1841/43 erschienene Werk des sorb. Wissenschaftlers und Publizisten J.A.Smoler „Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz“ dar, das 331 ober- und 200 niedersorbische Lieder und Tänze umfaßt. Hierbei ist zu bedenken, daß infolge  der über Jahrhunderte andauernden Germanisierung lediglich ein Bruchteil des einst im Sorbenland vorhandenen musikalischen Reichtums erhalten und überliefert ist. Insgesamt liegen heute weit über 1000 Titel sorbischer historischer Musikfolklore vor. Im Verhältnis zur Größe ihres Ethnikums haben die Sorben somit den weitaus größten Schatz an Volksliedern und Tänzen unter den slawischen Völkern.
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